Die Landesregierung Nordrhein‑Westfalens hat die Fördermittel für ihr „Hausarztaktionsprogramm“ deutlich aufgestockt. Im laufenden Jahr stehen nun 3,5 Millionen Euro bereit, eine Million mehr als im Vorjahr. Ziel des Programms ist es, die Gründung und Übernahme von Hausarztpraxen in kleinen Kommunen zu unterstützen und damit die ärztliche Versorgung in Regionen zu sichern, in denen der demografische Wandel den Fortbestand bestehender Praxen gefährdet.
Für Städte und Gemeinden mit weniger als 30.000 Einwohnern ist dies mehr als ein bloßes Förderprogramm. Es stellt ein Instrument der kommunalen Handlungsfähigkeit dar: Gemeinden, die aufgrund begrenzter finanzieller und administrativer Kapazitäten kaum eigene Anreize für Gründerinnen und Gründer schaffen könnten, erhalten nun gezielt Unterstützung durch das Land.
Die Fördermodalitäten wurden überarbeitet, bürokratische Hürden abgebaut. Erstmals können auch Lehrpraxen und Medizinische Versorgungszentren im Rahmen der Förderung berücksichtigt werden. Zudem ist die Antragstellung vollständig digitalisiert, was die Zugänglichkeit insbesondere für kleine Verwaltungen erheblich erleichtert.
Aus kommunaler Sicht ist dies von unmittelbarer Relevanz: In vielen Regionen droht der Verlust der wohnortnahen Versorgung durch Hausärztinnen und Hausärzte, weil Nachfolgerinnen und Nachfolger ausbleiben und Praxen altersbedingt schließen. Fehlende Angebote wirken sich direkt auf Lebensqualität, Standortattraktivität und die Möglichkeit der Ansiedlung von Familien und Fachkräften aus.
Das Hausarztaktionsprogramm zeigt, wie Landespolitik gezielt auf kommunale Herausforderungen reagieren kann. Die Mittelentlastung ermöglicht es kleinen Städten und Gemeinden, aktive Maßnahmen zur Sicherung der medizinischen Grundversorgung zu ergreifen, ohne die ohnehin knappen Haushaltsmittel weiter zu belasten. Zudem eröffnet das Programm Gestaltungsspielräume, um strategisch auf den demografischen Wandel zu reagieren, etwa durch die Einrichtung von Lehrpraxen oder die Kooperation mit regionalen Versorgungszentren.
Langfristig ergänzt das Programm andere landesweite Initiativen wie die Landarztquote oder den Ausbau von Medizinstudienplätzen. Zusammen bilden sie eine koordinierte Strategie, die sowohl dem Fachkräftemangel begegnet als auch die Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen absichert.
Fazit: Die Aufstockung der Fördermittel für Hausarztpraxen ist mehr als ein kurzfristiger Zuschuss. Sie ist Ausdruck eines politischen Bewusstseins für die strategische Bedeutung medizinischer Infrastruktur auf kommunaler Ebene – ein Instrument, das kleinen Gemeinden erlaubt, Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit vor Ort zu sichern.